IKT Strategie

Einleitung

Der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)Sektor – eine wichtige Stütze der Wirtschaft Österreichs

Abbildung 1: Kennzahlen des IKT-Sektors in Österreich

Europa muss zum Wachstumspfad zurückkehren

028

Europa ist derzeit vordringlich mit dem Lösen der Schulden- und Währungsproblematik beschäftigt. Doch fiskalpolitische Besonnenheit bzw. Unbesonnenheit korreliert nicht mit der Wachstumsperformance eines Landes — die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes bestimmt entscheidend das Wachstum [vgl. (Aiginger, 2011)]. Aus diesem Grund ist eine Rückkehr zum Wachstumspfad für Europa unumgänglich [vgl. (Friesenbichler, 2012)]. Doch wie kann das Wirtschaftswachstum bzw. die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden? Ökonomisch gesehen wird dies durch insgesamt effizienteren Einsatz der Arbeits- und Kapitalinputs erreicht.

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Abbildung 2: Beiträge zum BIP-Wachstum, Quelle: OECD, Produktivitäts- und Wachstumsrechnungen, 2012a.

Mindestens ein Drittel des Wirtschaftswachstums ist auf IKT zurückzuführen

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In den Jahren 1985 bis 2009 ist Österreichs Wirtschaft jährlich um 2,48% gewachsen [vgl. (OECD, Produktivität und Wachstumsrechnungen, 2012a)]. Der dem IKT-Kapital originär zuordenbare Teil des Beitrags beträgt rund 0,27% (siehe Abbildung 2). Das heißt, dass in Österreich das IKT-Kapital alleine für rund 11% des Wirtschaftswachstums verantwortlich zeichnet [vgl. (OECD, Produktivität und Wachstumsrechnungen, 2012a)]. Hinzu kommt noch ein Beitrag der Multifaktorproduktivität, der nicht eindeutig den Inputs zugerechnet werden kann. Wenn man der Multifaktorenproduktivität (1,26%) ein geschätztes Drittel hinzufügt, würden IKT rund 28% zum Wirtschaftswachstum in Österreich beitragen. Für die betrachteten Länder liegt der Beitrag zwischen 18,5% und 50%, wobei der Durchschnitt bei 32% liegt.

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91000 Österreicher sind im IKT-Sektor beschäftigt

030

In Österreich sind im Jahr 2009 rund 91.328 Personen (+5,5% gegenüber 2008) und damit jeder 20. Österreicher im IKT-Sektor beschäftigt. Dies stimmt auch mit den Zahlen der OECD überein, die von rund 5% der österreichischen Beschäftigten im IKT-Sektor ausgeht; damit liegt Österreich deutlich unter dem OECD Schnitt von 5,7% [vgl. (OECD, Internet Economy Outlook 2012, 2012b)]. Innerhalb von zehn Jahren hat sich bei einer Untersuchung der Top 250 IKT-Firmen die Beschäftigtenzahl im Internetbereich beinahe verfünffacht, im Bereich IT-Equipment verdreifacht und im Bereich Software verdoppelt [vgl. (OECD, Internet Economy Outlook 2012, 2012b)].Nicht einberechnet sind die Beschäftigten der IT-Abteilungen in anderen Unternehmen. Es wird aber geschätzt, dass nochmals 115.000 Arbeitsplätze an Vorleistungen indirekt hinzukommen [vgl. (Computerwelt, 2012)].

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Abbildung 3: In welchen Sektoren die Menschen in Europa ihren Job verloren haben,
Quelle: OECD, Sources of Growth, 2011.

IKT-Arbeitsplätze sind gegenüber Krisen resistenter als Arbeitsplätze in den traditionellen Sektoren

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Die Krise in Europa 2008 hat deutlich gezeigt, dass die meisten Verluste an Arbeitsplätzen in den „traditionellen“ Sektoren wie Landwirtschaft, Produktion und Handel zu verzeichnen waren (siehe Abbildung 3). In den kommunalen, persönlichen und sozialen Diensten waren die größten Zuwächse zu registrieren. Dort werden IKT stark für die Kommunikation eingesetzt (z.B. social networks). Der IKT-Arbeitsmarkt ist durch die Krise auch unter Druck geraten, doch der Arbeitsmarkt hat sich im IKT-Sektor viel schneller erholt als in den anderen Sektoren. Für die USA konnte nachgewiesen werden, dass Massenentlassungen in den traditionellen Sektoren viel massiver auftraten als im IKT-Sektor [vgl. (OECD, ICT Skills and Employment, 2012c)].

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Die anderen Wirtschaftssektoren profitieren in ihrem Innovationsstreben von einem starken IKT-Sektor

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Unternehmen (2009), das sind 4,4% aller österreichischen Unternehmen, erwirtschaften 2009 einen Umsatz von 23,75 Mrd. Euro (+12,4%), dies sind 8,66% des BIP. Ein großer Teil, geschätzte 37% des Umsatzes, entfallen auf die Entwicklung und Wartung von Individualsoftware; Standardsoftware macht nur rund 17% aus [vgl. ]. Eine Betrachtung der Unternehmensanzahl, der Beschäftigtenstruktur und der betriebswirtschaftlichen Situation wird der Bedeutung des IKT-Bereichs keineswegs vollständig gerecht. Informations- und Kommunikationstechnologien sind Bestandteil nahezu jedes Wirtschaftszweigs und integraler Bestandteil von Innovation [vgl. ]. Aus diesem Grund profitieren die anderen Wirtschaftszweige von einem starken IKT-Sektor.

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033

Man darf in der Betrachtung und Bewertung die Dynamik nicht außer Acht lassen. In einer Untersuchung der Top 250 Unternehmen weltweit konnte innerhalb von zehn Jahren eine Verzwanzigfachung des Umsatzes im Internetbereich festgestellt werden, für den Softwarebereich eine Verdreifachung [vgl. (OECD, Internet Economy Outlook 2012, 2012b)]. Software zählt laut dieser Untersuchung mit einer Nettorendite von mehr als 20% überhaupt zu den profitabelsten Bereichen im IKT-Sektor.

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Die IKT haben eine herausragende Bedeutung für eine moderne Volkswirtschaft

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% der Österreicher greifen auf Informationen im Internet zu, davon nutzen drei Viertel das Internet täglich. Die Anzahl der Internetnutzer hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Alle nutzen das Internet als Informationsmedium, etwa die Hälfte verwendet es auch für Kommunikationszwecke (45%) sowie für Internetdienste wie Internetbanking oder Download von Software (53%). Jeder Zweite hat bereits Waren oder Dienstleistungen im Internet bestellt [vgl. dazu ].

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Auch das Mobiltelefon ist für viele Menschen zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Lebens geworden. Mehr als 13 Mio. Vertrags- und Prepaidkunden können die Mobilbetreiber mittlerweile verzeichnen [vgl. (RTR-GmbH, 2012a)]. Die Anzahl der Anschlüsse, die auf einem Smartphone-Tarif basieren, haben in den letzten beiden Jahren stark zugenommen. Rund 22 Mrd. Minuten wurden im Jahr 2011 mobil telefoniert. Im Festnetz verzeichnen die Betreiber 2,8 Mio. Anschlüsse, über die im Jahr 2011 4,8 Mrd. Minuten telefoniert wurden [vgl. (RTR-GmbH, 2012a)].

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Alle Gesellschaftsschichten haben durch die weltweite Vernetzung des Wissens durch das Internet einfachen und ubiquitären Zugang zu Informationen. Die physikalische Beschränkung der traditionellen Medien wie Radio, Fernsehen, Zeitungen und Bücher ist gefallen und damit auch ihre Exklusivität in der Darstellung von Sachverhalten. Genau dieser immaterielle Charakter des Internets und seiner Inhalte bietet eine ungeahnte Chance in der Sozialisierung bildungsferner Schichten. Denn Menschen mit geringer Bildung können ohne größere Hürden und finanzielle Bürden aufgrund dieser Entwicklungen die gleichen Informationen abrufen wie alle anderen.

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Die IKT haben alle Branchen der Wirtschaft erfasst und sind Motor für Innovationen

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Auch in der Wirtschaft ist der Zugang zu den IKT die Voraussetzung für den Betrieb geworden. 98,2% aller Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern haben einen Internetzugang, wobei das Internet alle Branchen erfasst hat [vgl. (Statistik Austria, 2012b)]. Selbst 98% der Kleinstunternehmen mit 10 oder weniger Mitarbeitern nutzen das Internet. [vgl. (WKO Inhouse GmbH, November 2011)]. 60% der Unternehmen haben bereits Einkäufe über E-Commerce getätigt, aber nur 15% haben selbst über E-Commerce verkauft [vgl. ].

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Damit haben die IKT in der Wirtschaft nicht nur alle Branchen erfasst, sondern Produktionsprozesse, Administrationen, Handel und Vertrieb vereinfacht und beschleunigt. In einigen Fällen haben sie sogar das wirtschaftliche Handeln per se verändert und die Effizienz steigern können. [vgl. (OECD, The Impact of Internet in OECD Countries, 2012d)] Lagerbestände konnten durch elektronische Abstimmungen deutlich reduziert, Umrüstkosten durch den Einsatz flexibler Steuerungen gesenkt, neue Kundengruppen erschlossen und neue Vertriebswege eröffnet werden. Auch die Vielzahl an Unternehmen, die auf Basis des Internets ihr Geschäftsmodell betreiben, zeigen die deutlichen Auswirkungen der neuen Technologien [vgl. (OECD, The Impact of Internet in OECD Countries, 2012d)]. Die Einführung von IKT in der Wirtschaft hat ähnlich der industriellen Revolution oder der Motorisierung einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft bewirkt.

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Die Intensität des Einsatzes von IKT wird bevorzugt als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit, die Modernität und die Wohlfahrt eines Landes herangezogen. Während in Entwicklungsländern diese neuen Technologien - wenn überhaupt - erst mit großer Verspätung implementiert werden, können Industrieländer mit dem massiven Einsatz von IKT ihren Wettbewerbsvorsprung ausbauen. Ehemalige Schwellenländer wie Südkorea oder Taiwan, welche die strategische Bedeutung von IKT für ihre Wettbewerbsfähigkeit frühzeitig erkannt haben und diesen Vorteil für sich nutzen, schließen rasch auf und schaffen es damit in die Gruppe der Industrieländer aufzusteigen [vgl. (Dutta & Bilbao-Osorio, 2012)].

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Der Einsatz von IKT ist daher die wichtigste Stütze für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft

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Die heutigen Forschungen und laufenden Innovationen zeigen, dass wir bisher nur das Tor zu einer digitalen Welt aufgestoßen haben und eigentlich erst am Anfang der Entwicklung stehen. Heute sehen wir schon die ersten Ansätze einer intensiv vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft, in der IKT eine immer wichtigere Rolle für die Menschen spielen werden. Wenn die Dinge des täglichen Lebens mit Mikrochips ausgestattet sind und miteinander kommunizieren können, die Geldbörse durch neue Zahlungssysteme ihre Bedeutung verliert, real-time Systeme die medizinische Versorgung auch Zuhause gewährleisten, dann kann man erahnen, welche Beiträge IKT leisten können, um unseren Lebensstandard zu heben.

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Die EU Kommission hat das Potenzial von IKT für die Entwicklung der Union erkannt, daher stehen IKT ganz oben auf ihrer Tagesordnung. Ein Programm Europa 2020 kann es daher nur mit einer tragenden Säule IKT in Form der „Digitalen Agenda“ geben. Sie fordert die Mitgliedsstaaten ausdrücklich dazu auf, in IKT zu investieren: „Die EU und die Mitgliedstaaten müssen auch in haushaltspolitisch schwierigen Zeiten weiter in Bildung, Forschung, Entwicklung, Innovation und Informations- und Kommunikationstechnologien investieren. Solche Investitionen sollten möglichst nicht nur von Einschnitten in den Haushalt ausgenommen, sondern ausgebaut werden“ [vgl. (EU Kommission, 2010)].

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Angesichts dieser überragenden Rolle der IKT für den Wohlstand und den Wirtschaftsstandort Österreichs ist es vordringlich, einen gemeinsamen Rahmen und Ansatz für die Nation zu finden. Denn wenn Österreich die Möglichkeiten, die eine digitale Volkswirtschaft bietet, voll zum Nutzen der Bürger auszuschöpfen will, bedarf es einer nationalen Strategie, die – ähnlich einem Leuchtturm in der dunklen Nacht – den Weg und die Richtung weisen.

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Hier sind Sie gefragt!

Welche Bedeutung haben die IKT in Gesellschaft und Wirtschaft erlangt? Welche messbaren Auswirkungen haben die IKT in den letzten Jahren auf Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft neben den bereits dargestellten gehabt? Wie sind Investitionen in diesem Sektor zu rechtfertigen?